Florian Mai von der Orgelbaufirma Schuke in Berlin präsentiert den hörbaren Teil des Zimbelsterns: Ein Glockenspiel, das von einer Walze bewegt wird und gestern in die Orgel eingebaut wurde. Foto:Michael May

Das Instrument in der Obersten Stadtkirche wird technisch modernisiert und bekommt ein i-Tüpfelchen

Als Organist kommt man schnell ins Schwitzen. Schon bei einer einfachen Liedbegleitung braucht man ziemlich flinke Hände, wenn man zwischen den Strophen die Klangfarbe ändern möchte. Dazu müssen neue Register gezogen, andere wieder ausgeschaltet werden, was wiederum eine Menge Handgriffe erfordert, bei denen der musikalische Fluss möglichst nicht unterbrochen werden sollte.

Um da Abhilfe zu schaffen, wurden schon früh die sogenannten Spielhilfen erfunden, die es dem Spieler erlauben, einige Register-Kombinationen vorzubereiten und per Knopfdruck abzurufen – also mitten in der Musik mit einem kurzen Handgriff die Klangfarbe zu wechseln. Einen solchen einfachen „Schubkastensetzer“ mit fünf Kombinationen hatte auch die 1972 erbaute Schuke-Orgel in der Obersten Stadtkirche von Beginn an – ein recht großer elektronischer Apparat mit zig kleinen Kippschaltern, über die der Organist fünf verschiedene Registrierungen einstellen kann.

10 000 Kombinationen für die 45 Register

„Aber auch damit waren bei größeren Werken technische Pausen unvermeidbar“, sagt Kantor Hanns-Peter Springer. Schließlich gibt es gerade in Romantik und Moderne reichlich Orgelliteratur, die auf klangliche Effekte setzt und je nach Länge zigfaches Umregistrieren erfordert. Selbst mit einer erfahrenen Registrierhilfe an der Seite des Organisten lasse sich da vieles nicht verwirklichen.

Genau dieser Missstand gehört nun der Vergangenheit an. Seit einer Woche ist die Firma Schuke aus Berlin in der Kirche bei der Arbeit, um die komplette Elektronik auszutauschen und dem Instrument eine nagelneue computergesteuerte Setzeranlage zu verpassen. Mit der können die Kantoren Ute und Hanns-Peter Springer und alle anderen, die auf der Orgel spielen, üben und konzertieren – nicht unendlich viele – aber immerhin 10 000 Registerkombinationen abspeichern.

„Das verspricht nun deutlich schnelleres und fehlerfreieres umregistrieren“, freut sich Hanns-Peter Springer über die neuen technischen Möglichkeiten, mit denen er nun noch deutlich virtuoser die Klangfarben von 45 Registern und rund 3400 Pfeifen mischen kann. Und nichts geht verloren. Ende der Woche ist der Umbau abgeschlossen und dann kann er – wenn er möchte – schon mal die Stücke für das „Feuerwerk der Orgelpfeifen“ einprogrammieren und an Silvester abrufen.

Präsentationskonzert am 27. April

Soweit die Freude des Organisten – denn das Publikum wird von der neuen Elektronik vermutlich nicht allzu viel hören. Doch auch für die Kirchenbesucher hält der laufende Orgelumbau eine deutlich hör- und sichtbare Aufwertung bereit: Die Schuke-Orgel bekommt einen Zimbel-Stern – ein sogenanntes Effektregister, das aus vielen kleinen Glöckchen besteht und zur Krönung einem brausenden Orgelwerk noch den besonderen Glanz verleiht. Ein klangliches i-Tüpfelchen, wenn man so will, das, wie Hanns-Peter-Springer sagt, nicht in jedem Gottesdienst, sondern nur zu besonderen Anlässen und bei passenden Werken gezogen wird.

Schon seit der Barockzeit werden solche Zimbelsterne in der norddeutschen Orgeltradition verwendet. Melodien lassen sich nicht damit spielen, sie sind vielmehr ein reiner Klangeffekt für die besonderen Momente. Da die Schuke-Orgel in ihren Disposition den deutschen Barockorgeln nachempfunden ist, hat sich Hanns-Peter Springer schon länger dieses zu seinem Orgelklang passende Register gewünscht – zumal sich mit der Walze, die die Aufhängung der Glöckchen bewegt, auch ein vorne auf den Orgelpfeifen sichtbarer Holzstern drehen lässt.

Möglich wurde die Anschaffung nun durch eine Spende des Lions-Clubs Iserlohn. Zu erleben ist der Zimbelstern erstmals beim Präsentationskonzert zur Orgelerweiterung am Donnerstag, 27. April, um 19.30 Uhr. Teilnehmen werden dabei auch das Bläserensemble „Iserlohn Brass“ von Stefan Beumers und die Seniorenkantorei.

Ralf Tiemann – IKZ, 04.04.2017
Foto: Michael May