Am Samstag, 26.6., spielten Kinder der St.-Marien-Käfer, der MINIs und MAXIs in zwei identischen Aufführungen um 17 und 19 Uhr auf dem Kirchplatz das kleine Musical „Staunende Augen“ von Uwe Lal. Erzählt wurde die Geschichte vom blinden Bartimäus, der Jesus begegnet und um Heilung bittet. Im Rahmenprogramm waren auch die Jugendlichen von 5nach5 mit groovigeren Tönen zu hören.
Erstmals nach dem langen Lockdown gab es Chormusik live in Iserlohn!
Begleitet wurden die jungen MusikerInnen von Hanns-Peter Springer am E-Piano und Laura Holzwarth, Percussion.
Die Leitung hatte Ute Springer. 

Hier der IKZ-Bericht dazu (29.06.2021, Ralf Tiemann):

Iserlohn.  Die singenden Kinder sind wieder da – live und in echt: Ein Lichtblick am Ende der kulturlosen Zeit.

„Ihr wisst nicht wie das ist, wenn man nicht sehen kann“, singt der kleine Bartimäus, der ja blind ist. Und die Kinder entgegnen ein herzzerreißendes „In deiner Welt gibt, da gibt es keinen Regenbogen. In deiner Welt da gibt es nichts als grau in grau“ und schwenken graue Tücher dazu. Man muss schon vollkommen aus Stein sein, um sich davon nicht anrühren zu lassen. Schon vor der Pandemie musste, wer denn einen Sinn dafür hat, mächtig mit den Tränen kämpfen, wenn die Kinderkantorei auf der Bühne stand. Und jetzt, nach über einem Jahr Pause, erst recht.

Große Wirkung trotz widriger Umstände

Ja, sie sind wieder da: die singenden Kinder! Und zwar live und in echt. Nicht in Kachel-Optik als zusammengeschnittener Studio-Chor oder im vorproduzierten Video auf dem Laptop. All das war in Ordnung, um das Beste aus der Corona-Pause zu machen, ist aber kein Vergleich zum Live-Erlebnis. Die Wirkung am vergangenen Samstag auf dem Hof der Obersten Stadtkirche hätte größer kaum sein könne. Gleiches gilt für Dankbarkeit der Besucher für diesen Lichtblick am Ende der kulturlosen Zeit. Als allererster Chor überhaupt waren die Kinder und Jugendlichen der Evangelischen Kantorei wieder bereit, und trotz aller widriger Umstände, die die Pandemie immer noch für die Chorarbeit bereithält, haben sie eine großartige Leistung gebracht – was für eine Freude, vor allem für das Publikum.

Man kann Ute Springer von daher nur dankbar sein, dass sie mit den sinkenden Inzidenzwerten nicht lange gezaudert und die Risiken abgewogen, sondern zu diesem beherzten Schnellschuss angesetzt hat. Mutig hat sie vor rund einem Monat ihre Kinder zusammengetrommelt, hat mit „Staunende Augen“ von Uwe Lal ein möglichst einfaches Stück mit eingängigen Strophenliedern ausgesucht, bei dem alle schnell mitmachen können, und hat einfach unter freiem Himmel und mit gebotenem Abstand in kleineren Gruppen losgelegt. Wer schon mal draußen gesungen hat, der weiß, dass man kaum etwas hört. Und auch Ute Springer wird bis zum Schluss nicht genau gewusst haben, was die Kinder können und wie das alles klingen wird?

Aber was soll’s? Das Zeichen der schnellen Wiederkehr auf die Bühne wiegt hundertmal schwerer als mögliche Abstriche beim ausgefeilten Schauspiel oder beim musikalischen Anspruch des Stückes. Die Wirkung, als erst der Jugendchor „5nach5“ auftrat und danach die Kleinen von der Kinderkantorei ihr kleines, in einen Gottesdienst von Pfarrerin Mirjam Ellermann, eingerahmtes Singspiel vortrugen, war einfach umwerfend. Vier Proben hatte Ute Springer trotz wechselhaften Wetters ohne nass zu werden absolviert – das ganze Projekt schien von oben gesegnet zu sein – und auch am Samstag strahlte die Sonne bei den beiden identischen, aber wegen der coronabedingt kleinen Chorgruppen von verschiedenen Kindern bestrittenen Aufführungen. Ton-Ingenieur Arnd Esser hatte 16 kleine Podeste mit Mikrofonen bestückt, auf denen die Kinder alleine stehen konnten, und dann am Mischpult einen runden Chorklang gezaubert. Ein Chor, bei dem niemand den Nebenmann oder die Nebenfrau hören kann – auch das ist eher außergewöhnlich und nicht ganz einfach. Die effektvolle Begleitung kam von Hanns-Peter Springer (Klavier) und Laura Holzwarth (Percussion). Und Ute Springer hatte auch bei den geforderten Abständen engen Kontakt zu ihren Kindern und die Zügel in der Hand.

Natürlich hat die Bartimäus-Geschichte ein Happy End. Jesus heilt den blinden Bettler von Jericho. „Ich kann seh‘n, ich kann seh’n, die Welt ist nicht mehr leer“, singt er, und die Kinder schwenken nun bunte Tücher dazu. Und das passte nicht nur zum Ende des Stückes, sondern auch zum Anlass und zum vorläufigen Ende des Lockdowns. Die singenden Kinder sind wieder da und strahlen pure Freude aus: „Die Welt ist nicht mehr leer.“