Chorfahrt 2017_Miltenberg

Feins­ter Ch­or­ge­sang, mal mit span­nen­dem Or­gel­spiel oder ge­fühl­vol­len Pia­no­pas­sa­gen un­ter­malt so­wie an­mu­ti­ge Vio­li­nen­klän­ge als wei­te­rer Höh­e­punkt: Die Evan­ge­li­sche Kan­to­rei Iser­lohn hat mit ih­rem Kon­zert am Frei­tag in der Mil­ten­ber­ger Jo­hannes­kir­che be­geis­tert. Das Ensemble präsentierte sich in absoluter Bestform und bot Instrumentales und Liedgut aus verschiedenen Jahrhunderten. Die Leitung hatte Hanns-Peter Springer, mit dabei waren noch Violinistin Johanna Lauber und Pianist Jonathan Förster.
Bereits der Einstieg war mit »Herr Jesu Christ, Dich zu uns wend« etwas Besonderes: Der Chor bestach mit einem voluminösen Klangbild, in dem die Stimmen der Frauen und Männer hervorragend aufgeteilt waren. Glasklarer, heller Gesang ging Hand in Hand mit einem tief tönenden Fundament, wobei zwischendurch die Lautstärke zugunsten der Dynamik auch mal heruntergefahren wurde.
Dem positiven Grundtenor des folgenden »Singet dem Herrn« wurde mit starkem Ausdruck der Sängerinnen und Sänger nochmals Schub verliehen, zumal die Nummer mit geschickt umgesetzten Steigerungen aufwartete. Um das bestmögliche aus den gerade jeweils gesungenen Liedern herauszuholen, wechselte der Chor ab und an seine Aufstellung, so auch kurz vor »Jesu, meine Freude«, bei dem eine schwungvolle Vortragsweise tatsächlich die titelgebende Freude vermittelte. Darüber hinaus warteten die Iserlohner mit tollen Lautmalereien auf. In einem Abschnitt waren nur wenige Stimmen im Einsatz, bevor die komplette Gruppe wieder einstieg – ein gekonntes Wechselspiel.

Die Sonate für Violine und Continuo (Johann Joachim Quantz) war filigrane Instrumentalkunst. Über die vier Parts – Adagio, Allegro, Largo und Minuetto – hinweg entpuppte sich die Darbietung der Komposition als aufregende Klangreise. Zunächst standen getragene Flächen der Violine und sanftes Orgelspiel im Vordergrund, im weiteren Verlauf wurde das niveauvolle Spiel flotter, kurzweilige Tonfolgen inklusive. Qualitativ gleichzusetzen auch die anschließende Kyrie, bei welcher ein stimmiges Piano für das passende Ambiente sorgte, bevor ein vom Chor mit Inbrunst intoniertes »Gloria« erschallte.

Zu entdecken gab es viel, unter anderem die geschickt versetzten Vokaleinsätze bei »Sanctus – Benedictus« oder die Abstimmung zwischen Piano und Chor bei »Agnus Dei«. Ein weiteres Glanzlicht war »Sarabande« aus einer Sonate von Eugène-Auguste Ysaÿe: Lauber begann mit  Fingerzupftechnik und ließ in der Folge mit virtuosen und emotional großartigen Aufbauten die Zuhörer staunen. Nach fünf »Expressiven Motetten«, abermals vom Chor großartig inszeniert, schloss »Glory To Thee« für Chor und Orgel ein einmaliges Konzerterlebnis ab.

Marco Burgemeister
Main-Echo, Montag, 19.06.2017